Montag, 23. Mai 2016

ADAC Sicherheitstraining - Kurvenspaß für Cruiser


Seit ich cruise,  komme ich ständig zu spät. Vielleicht ist das die Entschleunigung, die ich mir wünsche, wenn ich auf mein Motorrad steige. Einfach mal ein bisschen zurück lehnen und den Stress vergessen. Heute liegt es aber am Stau in Hamburg, dass ich eine halbe Stunde nach der vereinbarten Zeit in Bardowick ankomme. Wir wollen den zweiten Versuch beim ADAC Sicherheitstraining starten. Der Erste war ja Ende April ins Wasser gefallen.
 
Auch Kuki und Der Mutti sind zu spät. Kuki hatte sich auf dem Weg beim Fahren hingestellt und dabei war seine linke Fußraste abgebrochen. Fragt mich nicht nach den Details, ich habe das auch nicht so ganz verstanden. Jedenfalls schraubt er bei meiner Ankunft eine Leihgabe von Jens an sein Motorrad und muss den Spott der Umstehenden ertragen. Wir leiten den Nachmittag mit Kaffee und Kuchen ein. Ein niedlicher Hund ist auch vor Ort, Odin heißt er, und so bin ich mit allem versorgt, was ich brauche, um mich wohlzufühlen
 
Och Odin...
Es ist ziemlich warm.  Für den Abend sind Unwetter angesagt. Momentan verspricht die Lage aber ein trockenes Training.  Und so wird es auch bleiben. Wir fahren zum Übungsplatz, checken ein und versammeln uns um unsere Motorräder. Der Trainer empfiehlt uns, einen Integralhelm zu tragen und da ich das schon ahnte, hatte ich meinen Klapphelm auf dem Rücksitz mitgenommen, während ich mit dem Jethelm gefahren war. Nach einer kurzen Wiederholung zu den wichtigsten technischen Funktionen unserer Motorräder, geht es auf die Piste. Der erste Parcours ist eine kleine abschüssige Serpentine. Der Trainer fährt zweimal vorweg, dann setzen wir die Runden weiter fort. Vor mir schleifen die Trittbretter meines Kollegens. Krrcchh, krrcchh. Krrrcchhhh da knirscht es auch bei mir. Vor Schreck ziehe ich den Fuß hoch - haha, so'n Quatsch!! Plötzlich sehe ich meinen Vordermann stürzen. In der Linkskurve legt es ihn um. Ich halte an, doch er rappelt sich schon auf. Der Sturzbügel ist zerschrammt, die Ledertasche auch. Der Schaden hält sich in Grenzen. Ihm sei nichts passiert, sagt er. Ich glaube, dass er den Sturz am nächsten Tag spüren wird. Ursache war ein zu geringer Abstand zum Vordermann,  welcher plötzlich bremste. Es folgt eine kurze Besprechung zum Hergang und was wir daraus lernen und weiter geht's. Insgesamt fahren wir vier verschiedene Rundkurse. Jeweils mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Ergänzt werden die Übungen durch umfangreiche theoretische Erläuterungen des Trainers. Kurvenlinie, Verzögern vor der Kurve, Bremsen in der Kurve,  Schalten, Gefahren, Anhalteweg und Abstand Abstand Abstand.
 
Mir macht das Training super viel Spaß. Die vielen Wiederholungen helfen mir, genauer einzuschätzen wie ich mit meinem Bike am besten arbeite. Die erste Runde ist immer zum Kennenlernen. Dann taste ich mich 2 oder 3 Mal an die beste Fahrweise heran. Wenn das gut klappt, werde ich sogar etwas übermütig, bis ich einen Dämpfer erhalte und mich wieder zurück nehme. So teste ich aus was geht und wo die Grenzen sind. Als wir die letzte Stunde auf dem ganz großen Parcours fahren, verhaue ich immer wieder eine Links-Rechts-Kurve und bin dadurch die Langsamste. Mir schwinden die Kräfte und meine Konzentration lässt deutlich nach. Ich bin genervt von mir selbst. Nach drei Stunden intensiven Übens verlassen wir den Platz und versammeln uns zu Wasser und Kaffee im Schulungsgebäude. Bis auf den Sturz meines Kumpels ist es für mich ein sehr gelungener Nachmittag und ich werde auf jeden Fall noch einmal wieder kommen und kräftig weiter trainieren. Mir geht es gar nicht darum, besonders schnell durch die Kurven zu heizen. Jeder, der meinen Blog liest weiß, dass das nicht meine Motivation zum Motorrad fahren ist. Ich möchte nur einfach noch mehr über mich, mein Bike und die Fahrphysik lernen.
 
Die Männer bieten mir an, sie über Bardowick und Lauenburg über die Landstraße zu begleiten. Doch ich bin zu müde, um noch einen Umweg zu fahren und mache mich in schwüler Gewitterluft direkt auf den Weg zur Autobahn. Hier merke ich deutlich, wie mir der Kurvenspaß in den Gliedern steckt. Ich könnte auf der Stelle einschlafen. Am Autobahnkreuz Maschen müsste ich auf die A1 wechseln. Da ich keine Lust mehr auf Kurven habe, bleibe ich einfach auf der A7. Noch nie bin ich mit meiner PJV durch den 3,3 Kilometer langen Elbtunnel gefahren. Dabei hat man kurz zuvor einen wunderschönen Blick auf den Hafen, die Containerterminals und die Köhlbrandbrücke. Trotz meiner Müdigkeit bin ich fröhlich und vergnügt. Das muss ich unbedingt dem Wikinger zeigen, wenn er einmal nach Hamburg kommt. Ich ordne mich rechts ein und folge den anderen Wochenendreisenden in die Röhre. Plötzlich wird wir schwindlig und ich kann kaum noch atmen. Ich schiebe den Helm hoch und spüre stickige Wärme und Abgase auf der Haut. Ist es die dicke Luft oder ein Anfall von Klaustrophobie? Es geht immer tiefer und ich konzentriere mich auf eine gleichmäßige Atmung. Was mache ich bloß, wenn ich hier ohnmächtig von meinem Bike falle? Ich bemühe mich, das Tempo auf 80 km/h zu halten und nicht noch langsamer zu werden. Endlich sehe ich den Hinweis, dass es bis zur Ausfahrt Othmarschen noch 500 Meter sind. Eigentlich könnte ich noch 4 Ausfahrten weiter fahren, aber ich will nur noch raus aus dem Tunnel und runter von der Autobahn. Bloß nicht in Panik geraten, gleich ist es vorbei. Noch 300 Meter. Ich blinke rechts. 200, 100.... die Ausfahrt liegt genau hinter dem Tunnelende. Regentropfen riechen nach warmem Frühling. Das Gewitter naht und ich genieße es. Ich atme tief ein und habe endlich wieder einen klaren Kopf. Gemütlich rolle ich durch die Stadt und bringe mein tapferes Pony in die Tiefgarage. Als ich mit dem Fahrrad die letzten 300 Meter nach Hause fahre, bricht das Gewitter los. Was für ein aufregender Tag voller neuer lehrreicher Erfahrungen. Erst mal was essen - das hilft immer!
 











 

Kommentare:

  1. Sehr cool, dass das dieses Mal geklappt hat. Das Gelände scheint ja wirklich schön zu sein. Dass der Kumpel allerdings gestürzt ist, ist echt blöd. Gut, dass Du da nicht so dichte dran gewesen bist.
    Die Sache mit dem Speed kommt succsessive von alleine. Es ist in erster Linie wichtig zu sehen und zu erleben, was das Motorrad kann. Das ist ganz viel mehr, als man meint.
    Bei Deinem Elbtunnelabenteuer wird mir auch klar, wieso man dort die Fenster zu und die Lüftung ausmachen soll.

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    1. Das hatte ich gar nicht so bedacht. Hinterher konnte ich auch drüber lachen, aber im Tunnel dachte ich echt, mein Ende sei gekommen :-D

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  2. Oh ja, Kurventraining beim ADAC. Da weiß man, was man gemacht hat und kein Wunder, dass du da schlapp gemacht hast. Aber: Du hast es geschafft. Mit Bravour gemeistert.

    Neulich bin ich ja auch auf der A7 gefahren und war ganz ergriffen von diesem Container-Terminal. Meine Güte, sowas habe ich ja noch nie gesehen. Diese Dimensionen. Hammer.

    Mit dem Fahrrad die letzten 300 Meter ... *lach* ... Aber gut, 300 Meter in voller Mobtur zu laufen verdirbt am Ende den ganzen Tag (wenn man überhaupt los gefahren ist). Fahrrad ist in :-D

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    1. Ich habe es noch einmal nachgegooglt: Es sind 400m. Und der Routenplaner schlägt einem ausschließlich einen Weg zu Fuß vor. :-)
      Klar, wer mal aus Versehen (ohne mit der Wimper zu zucken) 16km Umweg fährt, der steigt für diese 3 Minuten gar nicht auf's Rad. Davon bin ich aber noch weit entfernt!

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